Partnerschaft trotz Hirnverletzung?

Nach einer Hirnverletzung ist oft nichts mehr wie vorher und alle Beteiligten müssen ihre Lebenssituation und ihre Rollen neu definieren. Die Beziehung zwischen Menschen mit Hirnverletzung und ihrem Partner oder ihrer Partnerin kann sich durch die Folgen der Hirnverletzung wie auch durch die örtliche Trennung während des Klinikaufenthalts verändern. Nach dem Ereignis liegt meist vieles in der Verantwortung der unversehrten Person. Sie muss wichtige Entscheidungen treffen, Termine zwischen Spital,  Rehabilitation und Alltag organisieren, die Kinder und Verwandtschaft mit ihren Ängsten, Fragen und Verunsicherungen trösten und stützen. Es ist eine grosse Herausforderung, in dieser Situation als Paar das richtige Gleichgewicht zu finden.

Rückzug ist nicht das geeignete Rezept. Es lohnt sich, möglichst früh wieder eine regelmässige Gesprächskultur zu entwickeln oder professionelle Hilfe zu holen. Zwiegespräche für Paare können eine wichtige Unterstützung bieten um Ängste, Enttäuschungen und Gefühle von Überforderung zu benennen, ohne das Gegenüber anzuklagen. Das Paar muss lernen, veränderte Gefühle zu akzeptieren und einen neuen Umgang damit zu finden.

Auch die Sexualität kann nach einer Hirnverletzung durch körperliche Beeinträchtigungen oder aufgrund von Antriebslosigkeit, Müdigkeit, erschwerter Kommunikation etc. bei Mann oder Frau eingeschränkt sein. Oft zeigt sich ein vermindertes bis hin zu gar keinem Bedürfnis nach Sexualität bei den Betroffenen. Auch eine depressive Stimmung oder Medikamente können das Interesse an Sexualität mindern. Ebenso kann es nach einer Hirnverletzung zu fehlender Impulskontrolle, gesteigerten sexuellen Äusserungen und enthemmtem sexuellem Verhalten kommen. Neben Verständnis ist es wichtig, Wünsche und Grenzen zu formulieren und professionelle Hilfe zu holen, wenn sich Beteiligte belästigt fühlen. Neue Formen von Nähe und Zärtlichkeit können eine Chance sein, zu einer erfüllenden Sexualität zurückzufinden. (Hinweis auf Lesetipp: „Lieben und Leben nach Schlaganfall“)