Buchrezension «Fliegen mit geflickten Flügeln»

Buchrezension

Drei geflügelte Worte fallen in dieser Sammlung von Berichten von Schädel-Hirn-Trauma-Patienten und ihren Angehörigen immer wieder: «Unser Leben wurde auf den Kopf gestellt», «aufgeben tut man nur einen Brief» und «Übung macht den Meister». Die erste Redewendung beschreibt den Unfall selbst. Die zweite charakterisiert das Durchhaltevermögen, das von allen Seiten, vom Fachpersonal ebenso wie von Familie und Patient, gezeigt werden muss. Das letzte Sprichwort ist zukunftsweisend, optimistisch - dies auch der Sinn dieser Anthologie, die vom ÖGSHT, der Österreichischen Gesellschaft für Schädel-Hirn-Trauma herausgegeben wurde.


Während Sprache und Erzählstil der einzelnen Berichte so individuell sind, wie die Menschen selber, so ist die Hauptaussage dieses Buches dennoch deutlich spürbar: Ein Schädel-Hirn-Trauma muss nicht das Ende einer Reise bedeuten, sondern kann auch dazu motivieren, neue Wege einzuschlagen. Beinahe alle Patienten berichten von neuen Interessen und Hobbies, die sie nach dem SHT aufgegriffen haben – diese gehen von Malen über Uhren flicken bis zu Umwelt- und Tierschutz. Auch wertvolle neue Bekanntschaften werden geschlossen. Wie der von SHT betroffene Gerhard Kletzl berichtet: «Es ist sehr vorteilhaft, neue Freunde zu finden, die nicht kritisieren können, wie man sich womöglich verändert hat. Die zu schätzen wissen, wie nett man jetzt auftritt und das sind dann die am besten passenden Freunde». Trotzdem bedeutet das SHT und die schweren Folgen für die meisten ebenso ein Näherbringen der Familie, ein Zusammenrücken mit den engsten Vertrauten. Auch der Glaube an einen schützenden und wohlwollenden Gott hilft vielen, mit den alltäglichen Schwierigkeiten fertigzuwerden.


Mittels eingefügten Illustrationen der Herausgeberin sowie den Unterschriften der Betroffenen wurde diesem Sammelwerk zudem ein sehr persönlicher Charakter verliehen. Leider sind dabei wohl aber andere Lektoratsaufgaben zu kurz gekommen - es finden sich sprachliche Fehler, die bei einer gründlichen Korrektur bestimmt hätten entdeckt werden können. Wer sich jedoch eine sehr familiäre und lebensnahe Lektüre wünscht, Erfahrungsberichte von Betroffenen, die eben auch durch ganz persönliche Spracheigentümlichkeiten gewürzt sind, der liegt mit Fliegen mit geflickten Flügeln genau richtig.


Buchrezension von Lea Höfliger, freiwillige Mitarbeiterin Bibliothek