Interview Christine Jayet-Ryser

Celine mit Pferd Ronja
Christine Jayet-Ryser

 

Drei Fragen an Christine Jayet-Ryser anlässlich ihres 10-Jahr-Jubiläums bei FRAGILE Suisse

 

Christine Jayet-Ryser, worin besteht Ihre Arbeit?

Darauf eine kurze Antwort zu geben, ist nicht leicht, denn meine Arbeit ist sehr vielfältig. Grob gesagt beantworte ich alle Fragen von Menschen mit einer Hirnverletzung und von ihren Angehörigen. Es kann um die Familie, den Beruf, die Folgen der Hirnverletzung und die medizinische Betreuung gehen oder darum, wie die Angehörigen mit den sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen der betroffenen Person umgehen sollen. Kurz gesagt, sind es ganz unterschiedliche Fragen, die genaues Zuhören, Empathie und Unterstützung erfordern.

 

Sie beraten nun seit zehn Jahren Menschen mit Hirnverletzungen und ihr Umfeld. Wie gehen Sie mit der emotionalen Belastung Ihres Berufs um?

Natürlich gibt es Schicksale, die mir nahe gehen und mit denen ich mich mehr identifiziere als mit anderen. Was hilft ist, das Positive hervorzuheben sowie die Fähigkeiten und den Lebenswillen der Menschen mit einer Hirnverletzung sichtbar zu machen. Fokussiert man auf das, was geht, hilft man den Betroffenen, ihre Situation aus einem positiveren Blickwinkel zu sehen. In meiner Zeit im Spital, als ich Personen in der Akutphase betreute, habe ich auch gelernt, die Arbeit sozusagen mit der Berufskleidung abzustreifen. Für die Unterstützung der Betroffenen ist es ist zentral, professionelle Distanz zu wahren und sich nicht von Gefühlen überwältigen zu lassen.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Helpline und von FRAGILE Suisse?

In einer perfekten Welt würde ich keine Anrufe mehr erhalten, denn dort gäbe es keine Hirnverletzungen. Realistisch gesehen würden mich mehr Anrufe freuen, denn das würde bedeuten, dass wir noch mehr Menschen mit einer Hirnverletzung unterstützen und ihre Fragen beantworten können.

Für FRAGILE Suisse wünsche ich mir, dass wir unsere Leistungen weiter ausbauen und neue entwickeln können, insbesondere in der Westschweiz. Die Angebote der Académie und des Begleiteten Wohnens haben einen Ausbau verdient, damit wir den Menschen, die sich an uns wenden, noch besser helfen können.