Selbständig Wohnen nach einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung vom

3. Dezember 2013

 

Zürich, 29. November 2013 / Ein selbstbestimmtes Leben ist nicht selbstverständlich – daran erinnert der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Dies gilt auch für Menschen mit einer Hirnverletzung, die durch einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma aus dem Alltag gerissen werden. Die Folgen erschweren vielen Betroffenen ein Leben in den eigenen vier Wänden. FRAGILE Suisse rückt darum am 3. Dezember die schwierige Wohnsituation für Menschen mit einer Hirnverletzung ins Zentrum. 

 

«Von einem Tag auf den nächsten war alles anders», konstatiert Urs T.. Mit 32 Jahren erleidet er beim Fussballspielen einen Herzstillstand. Sein Gehirn wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Folge: Eine Hirnverletzung. Plötzlich ist er halbseitig gelähmt und kann kaum mehr sprechen. Urs T. wird nach der Rehabilitation in ein Heim verfrachtet, wo er fast fünf Jahre lang lebt. Doch sein Ziel bleibt: «Ich will selbstständig wohnen und für mich selber sorgen.»
 

Viele Behinderungen sind unsichtbar

Neben seinen sichtbaren Behinderungen beim Gehen und Sprechen machen Urs T. vor allem Beeinträchtigungen zu schaffen, die Aussenstehende nicht sogleich wahrnehmen. Er ermüdet sehr schnell, kämpft mit Gedächtnisproblemen und Erinnerungslücken und für komplexere administrative Aufgaben oder das Einkaufen braucht er Unterstützung. Wegen dieser unsichtbaren Beeinträchtigungen scheint ein Leben in den eigenen vier Wänden unmöglich. Doch Urs T. kämpft, unterstützt von seiner Mutter, die FRAGILE Suisse beizieht. Und tatsächlich: Anfang 2013 zieht Urs T. in eine eigene Wohnung. Heute bewältigt er mit Hilfe der Wohnbegleiterin von FRAGILE Suisse und Verwandten seinen Alltag weitgehend selbstständig.

 

Daheim statt im Heim 

In der Schweiz leben 130 000 Menschen mit einer Hirnverletzung. In den eigenen vier Wänden zu wohnen ist für sie ein wichtiges Anliegen. Mit dem Begleiteten Wohnen schliesst FRAGILE Suisse eine Lücke in der Betreuung von hirnverletzten Menschen. Das Angebot ist eine Ergänzung zur ambulanten medizinischen Betreuung durch Pflegedienste wie die Spitex. Die Wohnbegleiterin von FRAGILE Suisse unterstützt Betroffene in der Planung des Alltags und der Freizeit, bei administrativen Aufgaben und Budgetfragen, bei Problemen in der Haushaltführung und begleitet sie zu Terminen mit Behörden oder Ärzten – dies immer mit dem Ziel, dass die Betroffenen diese Aufgaben später selbständig ausführen können.

 

 

Auskünfte für Medienschaffende erteilt:

Dominique Marty
Leiterin Kommunikation FRAGILE Suisse 

marty@fragile.ch

Telefon: 044 360 30 61 oder 076 425 34 49

 

 

FRAGILE Suisse

In der Schweiz leben über 130’000 Menschen mit einer Hirnverletzung, verursacht durch Hirnschlag, Hirnblutung, Hirntumor oder Schädel-Hirn-Trauma. FRAGILE Suisse engagiert sich für diese Menschen und ihre Angehörigen mit einem breiten Dienstleistungsangebot von Gratis-Beratung (Helpline 0800 256 256), Begleitetem Wohnen, Information sowie Kurs- und Selbsthilfeangeboten. FRAGILE Suisse ist mit 11 Regionalen Vereinigungen in der ganzen Schweiz präsent. Die Vereinigung finanziert sich zum grössten Teil aus Spenden und ist von der Stiftung Zewo als gemeinnützig anerkannt.

www.fragile.ch

 

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Rund um den 3. Dezember machen Behindertenorganisationen an verschiedenen Orten in der Schweiz mit Veranstaltungen auf die Wichtigkeit eines selbstbestimmten Lebens und auf die noch bestehenden Grenzen und Mängel bei der Umsetzung aufmerksam machen. Letztere betreffen etwa die Wahlfreiheit beim Wohnen, bei der Ausbildung und der Arbeit.

Auf der Webseite www.3dezember.ch findet sich eine Zusammenstellung der geplanten Veranstaltungen.