Celine van Till an den Paralympics

Celine mit Pferd Ronja
Celine mit Pferd Ronja

Nach ihrem Reitunfall im Jahr 2008 lässt sich Celine van Till nicht behindern. 2016 nahm sie zum ersten Mal an den Paralympischen Spielen im September teil und erreichte in der Disziplin Para-Dressur mit Stute Amanta den 13. Rang. Van Till: "Verbessern kann ich mich überall, aber der Einstand ist mir geglückt. Jetzt geht es darum, dass wir auf dem Weg nach Tokio immer besser harmonieren. Dafür trainiere ich jeden Tag." Herzliche Gratulation!

 

Presseschau 2016

 

5 Fragen an Celine van Till

 

Sie haben sich für die Paralympics qualifizieren können. Herzliche Gratulation!

Ich bin sehr glücklich, dass mir dies für mein Land gelungen ist! Es ist ein wichtiges Ziel, das ich erreichen konnte, und ein Sieg über mich selbst.

 

Mussten Sie dafür Opfer bringen?

Nein, gar nicht. Reiten ist meine Leidenschaft. Dafür kann ich immer die nötige Disziplin aufbringen.

Haben Sie damit gerechnet, nach Ihrem Reitunfall im Jahr 2008 wettkampfmässig wieder so weit zu kommen?

Direkt nach meiner Hirnverletzung war ich nicht imstande, mir diese Frage zu stellen. Doch als ich später wieder zu reiten begann, habe ich mir schon überlegt, ob es möglich wäre – nur halt mit meinem Handicap. Ich lernte, was "Neuroplastizität" bedeutet: Unser Gehirn kann wieder neue Verbindungen herstellen, wenn es gefordert wird. Deshalb habe ich zu mir gesagt, dass alles möglich ist. Sicherlich, am Anfang sah ich einen langen schwarzen Tunnel vor mir – aber mit einem hellen Licht ganz am Ende. Schritt um Schritt bin ich dann da durch. Und jeder Schritt war für mich wie ein Trampolin: Er gab mir genug Schwung für den nächsten Schritt. Immer weiter so. Ich wollte mich selbst übertreffen und das Maximum aus mir herausholen, um wieder Erfolg zu haben. 

 

Wie anstrengend war es, so weit zu kommen?

Ich brauchte einen langen Atem. Das war mein Ziel seit 2011, seit sich meine Eltern getrennt haben. Damals war ich zwanzig und musste mein Leben selbst aufbauen, das heisst unabhängig werden, wieder ein Studium anfangen und mit dem Reiten weitermachen. Das ist mir gelungen, heute bin ich unabhängig. Und ich konnte an den Weltreiterspielen 2010 und 2014 und an den Europameisterschaften 2015 teilnehmen.

 

Welche Vorbereitung braucht es für einen Anlass wie Rio?

Man braucht sehr viel Konzentration, muss sich wirklich auf sein Ziel fokussieren. Und man muss enorm viel investieren, sowohl persönlich als auch finanziell. Natürlich ist das auch die Leistung eines ganzen Teams. Es braucht tägliches Engagement, das heisst den üblichen Trainingsaufwand, dazu die richtige Ernährung, Physiotherapie, mentale Vorbereitung und Karriereplanung. Letztlich ist es aber auch ein Vergnügen.

 

Ein Reiter hat zu seinem Pferd ja eine besondere Beziehung: Wie charakterisieren sie Ihre Beziehung zu Ihrer Stute?

Unsere Beziehung ist so stark wie zwischen zwei Menschen. Ein Pferd übernimmt für mich verschiedene Rollen, ist Sportpartner, bester Freund, hervorragender Therapeut und Psychologe.

Vielen Dank, Celine!