Erfahrungswissen für die nächste Generation von Pflegefachpersonen

Was bedeutet eine Hirnverletzung für den Alltag? Welche Folgen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar? Und wie können Pflegefachpersonen Menschen mit einer Hirnverletzung angemessen begleiten?

Was bedeutet eine Hirnverletzung für den Alltag? Welche Folgen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar? Und wie können Pflegefachpersonen Menschen mit einer Hirnverletzung…

Diesen Fragen begegnen die Studierenden der Pflegefachperson HF am Bildungszentrum Gesundheit Basel-Stadt (BzG) seit Mai 2026 im Unterricht. Das Bildungsteam von FRAGILE Suisse führt bei allen Klassen des zweiten Ausbildungsjahres einen eigenen Unterrichtstag durch.

Im Zentrum stehen die Sensibilisierung für die vielfältigen Folgen einer Hirnverletzung, das Erfahrungslernen und die Bekanntmachung von FRAGILE Suisse. Fachliche Grundlagen werden dabei mit konkreten Erfahrungen aus dem Leben mit einer Hirnverletzung verbunden.

Theorie durch Erfahrung ergänzen

Neben theoretischen Inhalten kommen auch praktische Elemente zum Einsatz. Im Rahmen desTechnik- und Trainingsunterrichtes  ermöglichen diese den Studierenden, sich aktiv mit den Herausforderungen auseinanderzusetzen, die eine Hirnverletzung mit sich bringen kann. Wie fühlt es sich an, mit einer Brille mit einer eingeschränkten Sehfähigkeit das Mittagessen zu verbringen? Wie reagiere ich, wenn ich auf spezifische Fragen nur mit Ja – Nein antworten kann?

Eine wichtige und ergänzende Rolle spielt dabei das Erfahrungswissen von Menschen mit einer Hirnverletzung. Es schafft einen direkten Bezug zur Lebensrealität der Betroffenen und kann Aspekte sichtbar machen, die in der rein theoretischen Vermittlung weniger greifbar sind. Dazu ist im Unterricht immer eine betroffene Person anwesend und bringt ihre Perspektive mit ein.

Eine vielfältige Zielgruppe

Die Klassen am BzG sind vielfältig zusammengesetzt. Die Studierenden bringen unterschiedliche berufliche und persönliche Erfahrungen, Hintergründe und Perspektiven mit. Dadurch entstehen unterschiedliche Zugänge zum Thema Hirnverletzung – und immer wieder auch Fragen, die neue Diskussionen anstossen. Zusätzlich wird die Lernfähigkeit im Sinne einer Transferleistung erweitert.

Die Vielfalt der Meldung eigener Erfahrungen ist eine Chance: Denn die angehenden Pflegefachpersonen werden später Menschen mit ganz unterschiedlichen Hirnverletzungen und Lebenssituationen begegnen.

Wissen mit Multiplikatoreffekt

Mit dem Unterricht erreicht FRAGILE Suisse nicht nur die einzelnen Studierenden. Das vermittelte Wissen fliesst später in verschiedene Institutionen und Pflegeteams ein. Die Studierenden werden damit zu Multiplikator, die das Verständnis für Hirnverletzungen in ihren Berufsalltag weitertragen können.

Erste Evaluationen zeigen, wie die Studierenden den Unterricht erleben und welche Inhalte besonders in Erinnerung bleiben.

«Ich habe viele Erfolgsfaktoren mitbekommen, welche die Betroffenen auf ihrem Weg begleiten. In Erinnerung bleiben mir vor allem der Wille, der Humor und das Üben Üben und nochmals Üben.»

«Am meisten bleibt mir der Punkt, dass ich mich im Pflegealltag dem Tempo und der Aufmerksamkeit der Patient:innen anpassen muss.»

«Ich habe mitbekommen, wie wichtig es ist, die Angehörigen miteinzubeziehen. Auch da kann ich als Pflegefachfrau etwas bewirken».

Die Rückmeldungen zeigen, welchen Wert die Verbindung von Fachwissen, praktischem Lernen und Erfahrungswissen für die Ausbildung haben kann.

Die betroffene Person gab mit vielen und wertschätzenden Inputs der Wichtigkeit der Arbeit von Gesundheitsfachpersonen Ausdruck:

«Das sehr aufmerksame Gegenüber waren meist junge Menschen, welchen ich viele Botschaften vermitteln konnte. Mein Weg bis heute war anstrengend und wurde von Pflegefachpersonen gut unterstützt.»
Mägi Brünisholz, Koreferentin von FRAGILE Suisse

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