Nicole Naumann, viele unterschätzen Zecken – was ist das grösste Risiko?
Zeckenstiche werden oft gar nicht bemerkt. Selbst ein kurzer Kontakt kann Krankheitserreger übertragen. Tückisch ist vor allem, dass die Symptome zeitverzögert auftreten: Viele Betroffene erinnern sich nicht an einen Stich oder bringen ihre Beschwerden nicht damit in Verbindung.
Zudem sind die ersten Anzeichen häufig unspezifisch und werden leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt. Neurologische Symptome zeigen sich oft erst später. Das erschwert eine frühzeitige Diagnose und kann dazu führen, dass eine Infektion lange unerkannt bleibt.
Welche Krankheiten sind besonders relevant?
Vor allem Borreliose und FSME. Borreliose ist mit Antibiotika behandelbar. Bei FSME gibt es keine ursächliche Therapie, der Körper muss selbst damit fertig werden. Schwere Verläufe können Gehirn und Rückenmark betreffen.
Was passiert bei FSME im Körper, besonders im Gehirn?
Oft beginnt die Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Kopfschmerzen. Typisch ist ein zweiphasiger Verlauf: Nach einer kurzen Besserung kann das Fieber erneut ansteigen. In dieser zweiten Phase kann das Virus das zentrale Nervensystem angreifen. Es kommt zu Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks. Mögliche Folgen sind starke Kopfschmerzen, Nackensteife, Gleichgewichtsstörungen oder Lähmungen. In schweren Fällen bleiben anhaltende neurologische Schäden zurück.
Wie kann man sich im Alltag wirksam vor Zecken schützen?
Die wichtigste Massnahme ist die FSME-Impfung. Sie schützt zuverlässig vor einer Infektion und wird in der Schweiz allen Personen empfohlen, die sich in einem Risikogebiet aufhalten. Die Kosten werden in der Regel von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen. Nach der Grundimmunisierung hält der Schutz mehrere Jahre an und kann mit Auffrischimpfungen verlängert werden.
Zusätzlich helfen einfache Verhaltensmassnahmen: lange, möglichst abschliessende Kleidung, Insektenschutzmittel für Haut und Kleidung sowie das konsequente Absuchen des Körpers nach Aufenthalten im Grünen. Helle Kleidung erleichtert es, Zecken früh zu entdecken.
Da Zecken vor allem im hohen Gras, in Gebüschen und im Unterholz leben, lohnt es sich, auf Wegen zu bleiben und den Kontakt mit Pflanzen möglichst zu vermeiden. Wichtig ist jedoch: Diese Massnahmen reduzieren das Risiko, ersetzen aber den Impfschutz nicht.
Wie entfernt man eine Zecke richtig – und wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
Zecken sollten möglichst rasch entfernt werden – am besten mit einer Pinzette hautnah und mit gleichmässigem Zug. Nicht quetschen und keine Hausmittel wie Öl verwenden. Anschliessend die Stelle desinfizieren. Bei Fieber, Hautveränderungen oder neurologischen Symptomen wie Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Nackensteife sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Welche Bedeutung hat die Impfung speziell für Menschen mit Hirnverletzung?
Ihr Gehirn ist verletzlicher. Eine zusätzliche Infektion kann bestehende Einschränkungen verstärken – etwa bei Bewegung, Sprache, Gedächtnis oder Konzentration. Die Impfung schützt vor einer weiteren Schädigung.
